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Nachbericht

Das ist mir zu anspruchslos

Auf dem Institutional Money Kongress sind in jedem Jahr auch Stiftungen eingeladen, sich zu neuen Entwicklungen im Bereich der institutionellen Kapitalanlage zu informieren. Stets veranstalten auch der Bundesverband Deutscher Stiftungen sowie der Schweizer Dachverband profonds ein Frühstück und ein Diskussionspanel. Spannend zu sehen war, dass die Diskussion in verschiedene Richtungen driftete und Stiftungen durchaus aufgefordert wurden, sich nicht wie das Kaninchen vor der Schlange dem Niedrigzins zu ergeben. Von Tobias M. Karow

Institutional Money Kongress

© Jose Poblete



„Ruhig mal die Frage nach dem Risiko stellen. Risiko ist nicht nur bei den Aktien zu sehen.“ So oder so ähnlich formulierte es Dieter Lehmann, seines Zeichens verantwortlich für die Kapitalanlage der Volkswagen Stiftung und DER Missionar für professionelleres Vermögensmanagement in Stiftungen. Es war ihm deutlich anzumerken, dass ihm der Punkt mit dem Risiko am Herzen lag, denn immer noch scheuen Stiftungen – im Übrigen wie der deutsche Privatanleger – die Aktie wie der Teufel das Weihwasser. Das permanente Schwanken, das ewige Auf und Ab, das scheint Stiftungsverantwortliche so zu verunsichern, dass Sie verharren bevor sie etwas Falsches machen. Lehmann ergänzte eine Aussage von Stefan Seewald von der Oberfrankenstiftung, der richtigerweise auf die übergeordnete Strategie hinwies, die sich eine Stiftung erarbeiten und an der sie auch festhalten muss. Und Teile dieser Strategie sollten Aktien sein, erst recht wenn Rentenpapiere mehr schlecht als recht rentieren und auch noch mit enormen Kursrisiken versehen sind.

Stiftungen können etwas tun
In der Diskussion am Nachmittag des ersten Tages lag in den Räumen des Congress Centrums Frankfurt der Schwerpunkt darauf, Stiftungen für das Thema Asset Allocation zu sensibilisieren. Es gibt eben mehr als Anleihen, und ja auch mehr als die Aktie, damit ist der Pool an Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft. Seewald wies auch explizit noch einmal darauf hin, dass Aktienquoten niemals in Stein gemeißelt sind, sondern dass diese atmen könnten und müssten. Er machte das auch zugleich deutlich anhand der Oberfrankenstiftung. Diese begann einst mit hoher Aktienquote, reduzierte diese dann in den 2000er Jahren, um sie heute wieder in Richtung der Zielmarke von 60% auszuweiten. Das Ganze sei aber ein langfristiger Prozess, der losgelöst vom täglichen Börsenbohai zu laufen habe. Stiftungen brauchen eine säkulare Strategie, zu der Aktien wie Renten, aber auch Immobilien und andere Anlageklassen, gehören, und müssen diese durchziehen. Stiftungen sollten sich selbst eben gerade nicht auf einen Sack Geld reduzieren und sagen, sie können nichts tun außer die aktuelle Niedrigzinsphase auszusitzen. „Das ist mir zu anspruchslos.“, schrieb der Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen Felix Oldenburg seinen Mitgliedern aber auch anderen Stiftungen ins Pflichtenheft.

Keine Kür ohne Pflicht
In der Diskussion wurde also deutlich, dass es ganz offensichtlich noch lange keinen ausreichend professionellen Umgang mit den Herausforderungen der Kapitalanlage gibt, Stiftungen hier auf Hilfestellungen angewiesen sind. Und auf Ideen, wie sie vielleicht doch den Aufwand in engen Grenzen halten können. Nur das konnten und wollten die Diskutanten den Stiftungen nicht mit auf den Weg geben. Es gibt Pflichten, und die seien zu erfüllen, das gelte für alle Stiftungen. Dr. Christoph Degen, Chef des schweizerischen Dachverbands profonds, wusste an dieser Stelle zu ergänzen, dass Stiftungen vor diesen Pflichten aber keine Angst haben müssen. Denn die Zeit spiele mit ihnen, und wenn Stiftungsvorstände eben etwas mehr Zeit brauchen, sich mit neuen Anlageklassen wie etwa der Aktie vertraut zu machen, dann sei dies eben so. Angst jedenfalls sei ein schlechter Ratgeber, stattdessen sollten Stiftungen Spaß an der Aktienanlage finden. Denn wenn die Anlagerichtlinie verfasst sei, die Umsetzungsregeln festgelegt seien, gebe es keinen Grund, die Aktie in der Kapitalanlage einer Stiftung zu meiden.


Institutional Money Kongress

© Jose Poblete




Eierlegende Wollmilchsau?
Die Hinweise, sich zu öffnen, wurden durch den Themenkreis Impact Investing aufgenommen. Auch darum dreht sich in der Stiftungslandschaft derzeit viel, vielleicht zu viel, wie manch kritischer Kommentar aus dem Publikum verdeutlichte. Denn die eierlegende Wollmilchsau sei auch Impact Investing nicht, Impact Investments müssten Teil der Asset Allocation sein. Gleichzeitig müsste man hinterfragen, warf Petra Träg von der SOS Kinderdorf Stiftung ein, wie viel Renditeverzicht man heute akzeptiert, vor dem Hintergrund, dass das Risiko für Impact Investments am Ende lägen. Denn illiquide Investments sind Investments auf Zeit, und nach Ablauf des Investmentzeitraums muss ja auch noch jemand das Investment abnehmen wollen. Das war ein Einwand, der nicht von der Hand zu weisen ist, aber dennoch bringt Impact Investing Stiftungen vielleicht dazu, sich grundlegender mit ihrer Kapitalanlage auseinanderzusetzen. Dieser Grundtenor war den Diskutanten jedenfalls zu entlocken. Stiftungen hinterfragen plötzlich, was sie mit ihrem Geld machen können, sie werden aktiver, sie recherchieren Informationen, sie sprechen mit Dienstleistern. Stiftungen präparieren sich, sie suchen nach zweckbezogenen Anlagen, haben darüber dann auch ein klareres Bild von sich selbst.

Zusammengefasst
Sowohl Frühstück als auch Panel förderten die Erkenntnis zutage, dass Stiftungen keine Angst vor anderen Anlageklassen haben sollten, dass zweckbezogene Investments zu prüfen sind und dass nicht nachhaltiges Anlegen des Stiftungskapitals ggf. auch als Pflichtverletzung ausgelegt werden kann – zumindest über letzteren Gedanken sollten Stiftungen einmal nachdenken. Und nach dem Nachdenken direkt ins Handeln übergehen.