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Auf einen Cappuccino mit…

„Abwägung zwischen Rigorismus und Laxismus“

Im Gespräch mit David Reusch, Geschäftsführer der Missionszentrale der Franziskaner GmbH, über das Anlagekonzept des den terrAssisi Aktien I AMI, das investierbare Anlageuniversum und ein neues Bewusstsein in der Geldanlage.

Was ist der Ursprung Ihres Nachhaltigkeitsansatzes?
David Reusch: Eigentlich müsste ich rund 800 Jahre zurückgehen um die Herkunft des Ansatzes zu erörtern. Der Fondsinitiator ist ja die Missionszentrale der Franziskaner, also das europäische Hilfswerk der Franziskanerprovinzen mit Sitz in Bonn. Als Hilfswerk fördern wir ganz klassischerweise etwa 800 Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika. In der franziskanischen Tradition fingen wir vor mehr als 25 Jahren damit an, uns mit dem verantwortungsbewussten Umgang mit Geld bzw. der ethisch-nachhaltigen Geldanlage zu beschäftigen. Früher haben wir hier die wissenschaftliche Grundlagenforschung unterstützt, und zwar personell, ideell und finanziell. Daraus entstanden dann Dinge wie der Frankfurter-Hohenheimer Leitfaden und ein ethisch-ökologisches Rating, wo wir die Kriteriologie für das Rating von Unternehmen mit auf den Weg gebracht haben. Dieses Rating wird von oekom research in ähnlicher Form bis heute umgesetzt. Irgendwann kam dann die Frage auf, ob wir dieses Knowhow für uns auch handhabbar machen können. Als Antwort entstand der Fonds.

Dies lässt sich so interpretieren, dass der Fonds intrinsisch getrieben entstanden ist und weniger weil dies aus Marketinggründen günstig erschien.
Reusch: Das auf jeden Fall, vor allem folgen wir aber dem Primat der Ethik. Die Fragestellung, die für uns am wichtigsten ist, lautet, wie man denn eigentlich verantwortlicher bzw. ethisch-nachhaltiger mit Geld umgehen kann. Aus dieser Fragestellung heraus wurde der Fonds entwickelt.

Gehört zu diesem vernünftigen Weg auch der Wunsch, Einfluss auf die Unternehmen zu nehmen, in die der Fonds investiert?
Reusch: Dies gehört zu unseren Überlegungen mit dazu. Auch Unternehmen, in die wir investieren, sollten sich auf diesen vernünftigen Weg gemacht haben. Neben der Auswahl und dem Ausschluss von Unternehmen ist die aktive Einflussnahme auf Unternehmen für uns ein wichtiges Instrument. Was wir hier jedoch nicht machen sind Engagement-Fälle für jedes einzelne Unternehmen, das können wir nicht leisten. Dort wo sich aber Anleger zusammenschließen, um kollektiv Einfluss zu nehmen, dort klinken wir uns ein. Dahinter steckt für uns natürlich die Absicht, jene Unternehmen zu finden, die im Nachhaltigkeitsbereich mehr tun als andere.

Was sind denn Kennzeichen, dass es ein Unternehmen mit Nachhaltigkeit besonders ernst meint?
Reusch: Es ist eben nicht nur ein ökologisches Thema, oder ein soziales Thema, uns geht es um einen Kulturwandel in den Unternehmen, und den muss man erkennen können. Im Unternehmen muss verankert sein, dass man sich in sehr vielen Bereichen nachhaltig und verantwortungsbewusst verhält und nach diesen Prinzipien handelt. Es geht eben nicht darum, den Waffenhersteller mit dem schönsten Betriebskindergarten zu finden, sondern jene Unternehmen zu finden, bei denen Nachhaltigkeit zur DNA gehört, bei denen solch ein Leitbild existiert.

Wenn wir dies nun einmal herunterbrechen auf den Fonds. Wie wandern Investments in den Fonds, welcher Ansatz liegt dem zugrunde?
Reusch: Letztlich folgen wir einem mehrstufigen Prozess. Zunächst einmal richtet sich die Auswahl nach Positivkriterien, wo wir branchenspezifisch absolute Best-in-Class-Kriterien anlegen. Wir wählen also jene Unternehmen aus, die sich innerhalb einer Branche besonders hervortun. Daneben schließen wir bestimmte Investments bzw. Branchen von vorn herein aus, nämlich jene die in kontroversen Geschäftsfeldern aktiv sind oder kontroverse Geschäftspraktiken verfolgen. Dieses Aktienuniversum geben wir dann an das Fondsmanagement, das bei der Ampega angesiedelt ist und wo dann die ökonomische Betrachtung dieses Aktienuniversums erfolgt. Es ist kein kombinierter Ansatz, sondern wir schauen zuerst, was für uns aus ethischen Kriterien heraus ein akzeptierbares Investment wäre, um dann aus diesen vorselektierten 400 bis 450 Einzeltitel das Portfolio mit 70 bis 75 Aktien zu bestücken. Da die Titel zudem von der Marktkapitalisierung her groß genug sind, hat der Fonds auch keine Probleme mit dem Verkaufen von Positionen. Sollte zudem das Fondsvolumen noch einmal kräftig zulegen, dann kann der Ansatz dies auch verarbeiten.

Vielleicht bleiben wir noch kurz bei den kontroversen Themen. Wie beurteilen Sie das?
Reusch: Also das ist in meinen Augen eine Abwägung zwischen Rigorismus und Laxismus. Das perfekte Unternehmen gibt es nicht, das wäre Augenwischerei. In den Ausschlusskriterien haben wir Schwellen festgelegt, bei welchen ein Wert als nicht mehr kaufbar eingestuft wird. Natürlich sind auch im Fonds Unternehmen enthalten, die Geschäftsbereiche unterhalten, die zu hinterfragen sind. Wenn man aber die Restriktionen zu eng fasst, dann wird das investierbare Anlageuniversum irgendwann zu klein. Dann reden wir vielleicht noch über 20 Aktien, die aus dem Universum von oekom research noch übrig bleiben würden. Damit können sie keinen Fonds managen.

Wann wird ein Investment verkauft?
Reusch: Wenn ein Titel gegen die Ausschlusskriterien verstößt oder auf Ebene der Positivkriterien bei einem Unternehmen die Dinge derart verschlechtern, dass es nicht mehr Best-in-Class ist. Der Fonds ist fast immer voll investiert, rappelt es also an den Märkten, rappelt es auch im Fonds. Risikomanagement etwa über eine atmende Aktienquote gibt es im Fonds nicht, ebenso kein Hedging oder sonstige Absicherungsinstrumente. Das was das Risikomanagement ausmacht, resultiert aus der Aktienauswahl und aus der Streuung heraus. Was wir im Übrigen sehen ist, dass die Unternehmen insgesamt bessere Leistungen im Bereich der Nachhaltigkeit zeigen als noch vor 5 oder 10 Jahren.

Woher kommt der Fokus auf Aktien aus Europa und den USA?
Reusch: Dies resultiert vor allem daher, dass in den Emerging Market derzeit die Standards meist weit niedriger sind als hierzulande, und bei nicht wenigen Unternehmen eine Häufung von Aktivitäten in kontroversen Geschäftsbereichen zu finden ist. Es tut sich dort freilich viel, aber unter dem Strich landen wir mit unserer Kriteriologie immer noch mehrheitlich in Europa, den USA, Kanada und Japan.

Wie steht es um die Ausschüttung?
Reusch: Der Fonds ist derzeit noch thesaurierend aufgesetzt, soll aber auf die ausschüttende Variante umgestellt werden. Wir planen dann eine Ausschüttung pro Jahr.

Inwiefern gleichen Sie den Fonds mit den Sustainable Development Goals (SDGs) ab?
Reusch: Für das Portfolio machen wir dies derzeit noch nicht, aber wo die SDGs für uns richtig wichtig werden, ist auf Ebene der Projekte, die wir unterstützen. Da die Gebühren des Fonds ja nicht dem Initiator zu Gute kommen, sondern den Projekten auf der ganzen Welt, sind wir hier gefordert, diesen Abgleich vorzunehmen. Der Anteil der Verwaltungsvergütung, der der Missionszentrale der Franziskaner zusteht, fällt nach Anzug von gewissen Kosten an das Hilfswerk. Je mehr Fondsvolumen also verwaltet wird, desto größer wird der Spielraum, Projekte zu unterstützen, und je zielgerichteter man dies machen kann, desto besser ist es für die Projekte und damit auch für die Entwicklung der betroffenen Regionen.

Sehen Sie eigentlich, dass sich das Bewusstsein bei der Geldanlage verändert?
Reusch: In meinen Augen befassen sich immer mehr Anleger damit, dass ihre Geldanlage nicht völlig wirkungslos ist. Wir sehen es beispielsweise bei Stiftungen, dass die Gremien sich mit der Verwendung der Mittel für den Stiftungszweck befassen und hier von allen Seiten abwägen, was das Beste ist, dass dies aber in der Kapitalanlage nicht gleichermaßen so gemacht wird. Da ist Bewegung drin, gleichzeitig aber ist noch viel Luft nach oben. Stiftungen sollten aber einfach mal damit anfangen, das dürfte für viele die beste Lehre sein.

Sind denn Stiftungen bevorzugte Anleger für den Fonds?
Reusch: Eigentlich richtet sich der Fonds an jedermann. Über unseren Hintergrund als Hilfswerk und auch Stiftungstreuhänder kennen wir natürlich die Belange von Stiftungen sehr gut. Die Missionszentrale der Franziskaner verwaltet rund 25 Stiftungen. Stiftungen machen bisher auch bereits gut 10% am Fondsvolumen aus, aber die Anlegerstruktur insgesamt ist sehr breit gestreut. Dies ist uns jedoch auch ein Anliegen gewesen, denn je heterogener die Anlegerstruktur ist, desto weniger empfindlich ist der Fonds gegenüber Mittelabflüssen einer einzelnen Gruppe, sollte es an den Märkten mal wieder holprig werden.

Haben Sie vielen Dank für die Ausführungen.

Das Interview führte Tobias M. Karow.

Hinweis: Das Transparenzberichtsarchiv terrAssisi Aktien I AMI finden Sie hier.