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Veranstaltungsrückblick

1. Münchner Stiftungstag, 3 Lehren

Auch München hat jetzt seinen Stiftungstag. Nachdem der MünchnerStiftungsFrühling mittlerweile schon zur festen Institution der Münchner Stiftungslandschaft geworden ist, hat nun SoNet, das Netzwerk der Münchner Stiftungen, den Anstoß zu einem Stiftungstag auch in München gegeben. Heraus kam eine Veranstaltung von Stiftungen für Stiftungen, mit lebendigem Austausch und noch lebendigeren Diskussionen. Drei Lehren lassen sich aus der Premiere ziehen. Von Tobias M. Karow

1) Knowhow für Stiftungen ist in immer mehr Bereichen vonnöten.
Vorträge und Workshops haben es deutlich gezeigt: Wissen und fachliche Präparation von Stiftungsverantwortlichen ist mehr denn je der Motor, damit sich der Sektor auch weiter entwickeln kann – und der die Gefahr minimiert, in bestimmten Themengebieten abgehängt zu werden. Die Öffentlichkeit möchte mehr wissen über Stiftungen, Internetnutzer möchten Spenden, aber bitte mit drei Klicks, und der Niedrigzins treibt den Stiftungsvorstand aus der Komfortzone der Festgeldanlage. Stiftungshandeln muss also mit der Zeit gehen, es muss sich anpassen, gleichzeitig darf es das Gestalterische nicht aufgeben. Dieser Spagat ist eine Herausforderung für den Sektor, aber er ist zu packen. Das jedenfalls zeigte sich in den Gesprächen etwa nach den Workshops, von denen einer das Thema Recruiting im Dritten Sektor „bespielte“. Personal ist so ein Thema, vor dem die Augen nicht verschlossen werden dürfen. Carola von Peinen, Geschäftsführerin von talents4good, die den Workshop leitete, beschrieb es so: „Stiftungen brauchen Menschen mit einem guten Mix aus fachlicher Expertise und Fingerspitzengefühl, um künftige Aufgaben und Herausforderungen zu meistern. Denn was ist eine Stiftung ohne Menschen? Eben.“ Insofern gab der Münchner Stiftungstag die richtigen Impulse.

Muenchner Stiftungstag - Impressionen
Auf dem 1. MünchnerStiftungsTag drehten sich die Diskussionen um die Belange aus Stiftungssicht, auch Kommunikation und Recruiting standen auf der Agenda. Bildquelle: Karin Pfab


2) Digitalisierung und Datenschutz machen auch vor NPOs nicht halt.
Die neue EU-Datenschutzverordnung trifft alle, auch vor dem Dritten Sektor macht sie nicht halt. Auf dem Münchner Stiftungstag wurde deutlich, dass Datenschutz zwar schon so etwas ist wie eine Gesetz gewordene Monstrosität der Regulierung, aber dennoch muss niemand Angst davor haben. Manchmal kann es durchaus sinnvoll sein einmal darüber nachzudenken, wo auch eine Stiftung überall Daten verarbeitet und verwendet, und ob der Prozess hier auch sauber aufgesetzt ist. Philipp Hof vom Stiftungszentrum konnte hier aus der Praxis berichten, dass ihn die Aufgaben gut ausgelastet haben. Bei Stiftungen dürfte dies nicht anders sein, aber etwas Reflexion tut vielleicht manchmal ganz gut, das war zumindest zu hören in den Kaffeepausen. Datenschutz wiederum hat viel mit Digitalisierung auch im Stiftungswesen zu tun. Überlegt sich eine Stiftung heute, eine Fundraising-Strategie auszurollen, dann wird sie zwangsläufig auf Fragen stoßen, wie sie mit den Daten ihrer – zum Beispiel – Newsletter-Abonnenten umgehen sollte. Womit sich der Kreis schließt. Nicht umsonst greift der Bundesverband Deutscher Stiftungen auf dem diesjährigen Deutschen Stiftungstag in Nürnberg den Themenkreis Digitalisierung auf.

3) Kapitalanlage braucht Verständnis.
Einmal mehr drehte sich die Diskussion in einem Workshop um das Thema Kapitalanlage. Es wurde schnell deutlich, an welchem Punkt viele Stiftungen stehen, und wie schnell die falschen Antworten auf die richtigen Fragen gegeben werden können. Stiftungen sollten sich genau nicht Gedanken machen, welche Anleihe sie kaufen, sondern weit davor ansetzen und ihre Vermögensbewirtschaftung professioneller organisieren. Es reicht einfach nicht aus, statt einer Bundesanleihe eine Unternehmensanleihe zu kaufen, ob des höheren Kupons. Damit haben Stiftungen ihre Hausaufgaben eben genau nicht bewältigt. Sie müssen sich stattdessen eine Anlagerichtlinie erarbeiten, die Anlageklassen und die Anlagepolitik festlegen, ihre Rolle in diesem Kontext bestimmen – aktiver Portfoliolenker oder passiver Portfoliokontrolleur – und sich genau überlegen, wie sie ihre Entscheidungen dokumentieren und kontrollieren. Dazu müssen Stiftungen stets verstehen, was sie für Anlagen tätigen, sie dürfen sich diesbezüglich keine Pflichtverletzung leisten. Und Verständnis hat zur Gänze mit Transparenz zu tun, die wiederum beispielsweise von Produktanbietern geliefert und von den Stiftungen eingefordert werden muss. Stiftungen brauchen also zuerst eine sattelfeste Struktur ihrer Kapitalanlagen, erst danach geht es ggf. an die Auswahl einzelner Anleihen oder Aktien. Auf dem Münchner StiftungsTag zeigte sich einmal mehr, dass die Mehrheit der Stiftungen erst einmal ihre Strukturen sattelfest machen sollten, dass hier derzeit der größte Bedarf an Optimierungen besteht.

Zusammengefasst.
Frank Enzmann, mit seiner Castringius Stiftung einer der Haupttreiber hinter dem 1. Münchner Stiftungstag, brachte es im Gespräch auf den Punkt: „Ich muss einen Stiftungstag in München nicht machen. Aber ich möchte einen Stiftungstag in München machen, oder zumindest ein Wegbereiter einer solchen Veranstaltung sein. Stiftungen brauchen den fachlichen wie persönlichen Austausch, und dafür brauchen Stiftungen Plattformen. Eine solche soll der Münchner Stiftungstag sein.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Bis auf den Hinweis, dass ein Wechsel der Formate StiftungsTag und StiftungsFrühling durchaus seinen Reiz entfalten kann. Der Stiftungsstandort München hätte dann ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, zwei Plattformen, die nach innen wie nach außen wirken können – und werden.

Hinweis: Rödl & Partner war im Jahr 2017 Partner des MünchnerStiftungsFrühlings und hat im Rahmen dessen unter anderem ein Workshop-Café zum Thema Die digitale Stiftung (zum Artikel) und einen Workshop zum Thema Transparenz als Pflicht in der Kapitalanlage von Stiftungen (zum Artikel).