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Auf einen Cappuccino mit…

„Anleger suchen nach dem ruhigen Fahrwasser für ihr Geld“

Jens Minnemann, ODDO BHF, betreut Unternehmer, Unternehmen und Stiftungen. Er weiß um deren Sorgen, die der Niedrigzins mit sich bringt. Minnemann ist es wichtig, mit Qualität zu überzeugen, mit einem nachvollziehbaren Konzept und mit einem großen Maß an Informationstiefe. Hier spricht er über die Druckpunkte bei seinen Kunden und darüber, wie ruhiges Fahrwasser mit Transparenz zusammenhängt.

transparenzbericht.com: Bewegte Zeiten liegen hinter uns, womöglich auch vor uns. Wie positioniert sich der BHF Total Return FT angesichts dessen?
Jens Minnemann: Der Fonds ist ja ein Total-Return-Mischfonds, dessen Aktienquote zwischen null und 40% schwanken kann. Alles wird dem Ziel untergeordnet, stets ein positives Ergebnis zu erwirtschaften, also den eintägigen Euribor-Zinssatz (EONIA) plus 200 Basispunkte. Das ist eine sehr solide Konzeption, mit einem konservativen Profil, das – ebenso wie andere Fonds-Konzepte, die wir unseren Kunden anbieten – für mich total in die Zeit passt.

transparenzbericht.com: Was heißt das?
Minnemann: Ein breit diversifiziertes Rentenportfolio wird vorsichtig veranlagt, in Papieren mit ordentlicher Bonität. Erträge gewichten wir höher als Rendite. Diese soll der Aktienanteil generieren, der durchaus dynamisch aber dennoch mit Augenmaß gehandhabt wird. Bei Ereignissen wie dem Brexit oder der Wahl Trumps zum amerikanischen Präsidenten wird die Aktienquote auch mal deutlicher nach unten gefahren, aber Augenmaß heißt eben mit Bedacht und ohne Hektik. Das ist für mich konservativ, und letztlich erwarten unsere Anleger in dem Fonds genau das von uns. Unsere Kunden sind Unternehmen, die Liquidität anlegen müssen, Stiftungen, deren Erwartungshaltung in Richtung stetiger und verlässlicher Erträge geht, und Unternehmer, die eine Anlageoption suchen, um der Negativzinsfalle zu entgehen. Sie haben oft wenig Erfahrung mit Aktien und wissen es sehr zu schätzen, dass wir mittlerweile auf 12 Jahre Fondshistorie zurückblicken.

transparenzbericht.com: Wie nehmen Sie Ihre Kunden derzeit wahr? Setzt der Niedrigzins diese unter Druck?
Minnemann: Niedrigzins wäre ja noch schön, aber was richtig weh tut, ist der Negativzins. Das ist ein Druckpunkt, auch psychologisch. Allein über die Inflation habe ich zwar schon einen Negativzins, aber wenn auch auf dem Papier ein Minus beim Zins steht, dann setzt das vielen Anlegern arg zu. Der Anleger nimmt den Negativzins darüber das erste Mal wahr. Auf Kundenebene hat sich die Aktienquote bei Unternehmern und Unternehmen von 30 auf 60% erhöht, das Anlageverhalten verändert sich also. Stiftungen reagieren abwartender, die Lernkurve ist hier flacher. Besonders die Rechenschaftspflichten hemmen hier den Umdenkprozess. Umso wichtiger sind Dokumentationshilfen, wie der Transparenzbericht. Gerade im Stiftungsbereich habe ich damit ein Werkzeug an der Hand, das die Risiken sehr gut und sehr anschaulich transportiert. Dem Entscheidungsträger wird es damit viel leichter gemacht.

transparenzbericht.com: Weil der Transparenzbericht eine weitere Objektivierungshilfe ist?
Minnemann: Absolut. Für Anleger, wie Stiftungen, kann es die ausschlaggebende Entscheidungshilfe sein. Wir sehen ja, dass gerade risikoaverse Anleger nach Informationsquellen suchen, auf die sie sich verlassen und denen sie vertrauen können. Was der Transparenzbericht herausarbeitet, geht ja weit über das hinaus, was wir üblicherweise an Informationen anbieten. Der Mehrwert liegt hier also einmal in der gut aufbereiteten Information, aber auch im Faktor Vertrauen, weil eben nicht wir diese Information zur Verfügung stellen, sondern ein neutraler Dritter.

transparenzbericht.com: Wenn wir noch einen Blick in die Zukunft werfen, auf was müssen sich Anleger verstärkt einstellen?
Minnemann: In meinen Augen suchen Anleger verstärkt nach dem ruhigen Fahrwasser für ihr Geld. Je erratischer sich die Märkte verhalten und je komplexer die Welt vermeintlich wird, desto mehr suchen sie nach einem stetigen Anlagekonzept. Für mich war das vergangene Jahr schon so etwas wie ein Härtetest, auch für unser Konzept. Der Dax startete zunächst mit Abschlägen von mehr als 16% so schlecht wie noch nie in ein Börsenjahr, mit Qualitätstiteln jedoch konnte der Verlust auf gut 5% begrenzt werden. Man kann dem Sturm also trotzen. Wenn es richtig stürmisch wird an den Märkten, dann wird zuerst das verkauft, was weniger Qualität hat. Umso mehr, je unsicherer sich das Umfeld insgesamt darstellt. Jetzt wissen Sie auch, warum wir High Yield-Anleihen meiden, wenn die mal von einem Sturm erfasst werden, sieht das sehr unschön aus im Portfolio.

transparenzbericht.com: Gibt es in Ihren Augen heute mehr Qualitätsaktien als früher?
Minnemann: Nun ja, mehr gibt es nicht, aber Qualität wird heute woanders gesehen. Wir haben eine massive Branchenrotation erlebt. Bis vor zehn Jahren waren beispielsweise Technologiewerte lange nicht in der Lage, zuverlässig Erträge zu liefern und saubere Bilanzen vorzuweisen. Heute sind die Apples und Amazons dieser Welt jene Unternehmen mit verlässlichen Geschäftsmodellen, die ihnen eine teilweise enorm gute Marktposition beschert. Bis 2011 waren die Versorger die besten defensiven Aktien, nur leider sind deren Geschäftsmodelle nicht mehr intakt. Heute sind es eher IT-Titel, die wir zu den defensiven Aktien zählen, gemeinsam mit vielen Unternehmen aus dem Nahrungsmittel- und Konsumgüterbereich.

transparenzbericht.com: Die Zeiten ändern sich eben, umso konsequenter muss das Anlagemanagement sein. Haben Sie vielen Dank für die Erläuterungen.


Hinweis: Für den BHF Total Return FT erstellt Rödl & Partner seit 2015 quartalsweise den Transparenzbericht. Zum Transparenzberichtsarchiv finden Sie hier.